Das TPS-Haus bauen

Paul.Bayer am 20. December 2007 um 09:00

Viele Leute sehen schlanke Produktion als eine Ansammlung von Werkzeugen. Aber es wird selten klar, wie diese zusammenhängen oder welches Denken dahinter steht. Eine einfache aber kraftvolle Darstellung für das Toyota Produktionssystem ist ein Haus [1]:

Das TPS-Haus

Das TPS-Haus darf nicht als statisches Bild sondern soll eher als Bauplan, als Anleitung für den Zimmermann angesehen werden. Folgende Hinweise erleichtern das Verständnis:

  • Jedes Haus benötigt ein Fundament. Je solider das Fundament gebaut ist, desto stabiler und langlebiger ist der Überbau darüber. Normalerweise sieht man das Fundament nicht, aber es ist die Grundlage. Das Fundament muss zuerst gebaut werden bevor man an den Aufbau geht. Das Fundament des TPS-Hauses besteht aus zwei Schichten oder Geschossen: Stabilität und Standards.
  • Der Aufbau des Hauses muss ebenfalls stabil gebaut sein – in Japan müssen die Häuser Erdbeben widerstehen. Das TPS-Haus hat als zwei Wände JIT und Jidoka. Diese Pfeiler tragen das Dach.
  • Das eigentliche Leben des Hauses findet aber – wenn alles stabil gebaut ist – im Inneren statt. Kaizen und die Entwicklung und Einbindung der Mitarbeiter sind das eigentliche Leben des TPS.
  • In Japan regnet es viel. Das Dach, die Kundenorientierung schützt die Bewohner des Hauses vor Regen. Auf das Dach muss man immer sorgsam achten. Das Dach ist die wichtigste Funktion des Hauses. Auch im Deutschen sagt man: „ein Dach über dem Kopf haben“.
  • Das Haus bietet einen Lebensraum für mehrere Generationen. Es symbolisiert also auch die langfristige Orientierung des TPS. Was wir heute am Haus tun, das tun wir auch für unsere Kinder … Das Haus symbolisiert Stil, Lebensstandard, Familiensinn, Zusammengehörigkeit …

Das TPS-Haus beschreibt auf sehr elementare Weise die Schwerpunkte und Zusammenhänge des schlanken Produktionssystems. Die Hauptthemen des TPS und ihre Bedeutung in seinem Aufbau beschreiben auch den Einsatz seiner Werkzeuge [2]:

Der Aufbau des TPS-Hauses

Es kommt nicht so sehr auf das Werkzeug an, sondern wofür das Werkzeug jeweils eingesetzt wird. Wichtiger als der Einsatz des einzelnen Werkzeugs ist die Stabilität und Güte des Hauses, das damit gebaut wird. Ein guter Zimmermann kann seine Arbeit auf verschiedene Weise und mit verschiedenen Werkzeugen und Techniken ausführen, während die besten Werkzeuge in den Händen von Unerfahrenen zu nichts nütze sind.

Ein Bauplan

Das Haus muss von unten nach oben gebaut werden. Man baut nicht an den Wänden bevor das Fundament fertig ist. Also beschreibt das TPS-Haus auch eine prinzipielle Einführungsstrategie für schlanke Produktion. Weiter noch: das Haus ist das Symbol der schlanken Produktion. Daher sind seine Prinzipien in rekursiver Weise auf jeden Prozess und Subprozess im Produktionsnetzwerk anzuwenden. Jeder Prozess muss damit felsenfest aufgebaut werden.

Sogar die Entwicklung der Mitarbeiter folgt dem Aufbau des Hauses. Zuerst muss man lernen, was zu tun ist, um eine Arbeit in den 4M richtig auszuführen, danach, wie sie auszuführen ist, um die Standards (für Qualität, Zeit, Kosten, Sicherheit, Umwelt, Moral) zu erfüllen. Wenn die Arbeit richtig ausgeführt wird und ihre Zusammenhänge (warum) verstanden werden, kann damit begonnen werden, sie zu verbessern. …

Insgesamt verdeutlicht das Bild des TPS-Hauses, dass schlanke Produktion als System funktioniert. Ihre Stärke liegt nicht in einzelnen Elementen oder Werkzeugen, sondern in ihrem Zusammenwirken als System.

[1]
TPS steht hier für Toyota Production System oder besser noch Thinking Production System. Vgl. Teruyuki Minoura: The Toyota Production System. Ich lehne mich mit meiner Darstellung des Hauses etwas an die von Pascal Dennis in Lean Production Simplified an.
[2]
Das hier ist nur ein prinzipieller, unvollständiger Überblick. Manche Werkzeuge können für mehrere Zwecke eingesetzt werden. Abkürzungen, Erklärungen:
  • 3P: Production Preparation Process, Programm, um bei Neuanläufen und Änderungen das Fundament des TPS schnell zu erzeugen,
  • 3T: Teile-/Lagerortkennzeichnung,
  • 5S: Herstellen von sichtbarer Ordnung,
  • A3: Problemlösemethode auf Basis PDCA,
  • Hoshin Planung: Ziel Management Prozess,
  • Kanban: Karten, um den Arbeits- und Materialfluss zu steuern,
  • Poka-yoke: Methoden zur Fehlhandlungssicherheit,
  • QFD: Quality Function Deployment, Umsetzen der Kundenanforderungen in technische Lösungen,
  • TPM: Total Productive Maintenance, Programm zur präventiven Wartung,
  • VA: Value Analysis,
  • Zone Control: Techniken zur lokalen Kontrolle von Qualität und Stabilität.

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2 Kommentare zu “Das TPS-Haus bauen”

  1. Toyota » wandelweb.de

    [...] Here’s another interesting post I read today by Ein Weblog über Prozessverbesserung » wandelweb.de [...]

  2. Markus Kohler

    Vielen Dank für die Einführung in die japanische Firmenphilosophie.

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