Die zehn Kaizen-Regeln

Paul.Bayer am 21. November 2007 um 17:00

Die TPS-Pyramide: Denken, System, Werkzeuge

Kaizen bedeutet „Veränderung zum Guten“. Es beschreibt den ständigen Strom vieler kleiner Verbesserungen in japanischen Unternehmen. Im Westen versuchen wir, es zu imitieren und KVP, kontinuierliche Verbesserungsprozesse einzurichten – meist mit magerem Erfolg und selten von Dauer. Meist haben wir Kaizenwerkzeuge eingesetzt, einige sind weitergegangen und haben ein System, eine Organisation dafür geschaffen. Aber Basis von Kaizen ist ein radikales Denken über Verbesserung. Nichts beschreibt dieses Denken besser als die zehn Kaizen-Regeln:

Regel 1: Stelle den Ist-Zustand in Frage

Ein Versteifen auf das gewohnte Denken kann tödlich sein. Kaizen erwartet von uns, über das gewohnte Denken hinauszugehen. Wenn etwas kaputt ist, müssen wir es reparieren, soweit klar. Aber auch wenn etwas funktioniert, müssen wir es in Frage stellen und zusehen, wie wir es noch besser machen können.

Regel 2: Frage wie es getan werden kann

Wir müssen von einer „Das-geht-nicht-Haltung“ zur „Wie-geht-das-Haltung“ kommen. Das ist wichtig, um anhaltende Verbesserungen zu erzielen. Wenn alle die „Wie-geht-das-Haltung“ lernen, kann eine Veränderung beschleunigt werden.

Regel 3: Höre auf mit Entschuldigungen

Wenn wir auf einen Fehler oder ein Problem stoßen, sollten wir keine Entschuldigungen machen oder andere Leute beschuldigen. Sondern wir müssen vor Ort gehen, um zu sehen, was wirklich passiert.

Kennt der Mitarbeiter seine Arbeit? Gibt es sichtbare Arbeitsstandards? Sind alle Mitarbeiter unterwiesen? Ist der Arbeitsplatz in Ordnung? Wenn es hier Ungereimtheiten gibt, müssen die Vorgesetzten die Initiative ergreifen und die Probleme korrigieren. Vielleicht sollten sie dafür 5A oder Standardarbeit einsetzen. Wenn alles in Ordnung erscheint, müssen wir die Standards in Frage stellen, überprüfen und verbessern.

Regel 4: Suche nicht nach sofortigen perfekten Lösungen

Die meisten von uns wollen alles und sofort. Aber sofortige Perfektion ist nicht der Kaizen-Weg. Perfektion ist unser Endziel, aber sie kann niemals mit einer einzelnen Aktion erreicht werden.

Unsere Aufgabe ist es, wieder und wieder schnelle Verbesserungen zu machen. Diese schnellen Verbesserungen erzeugen eine Dynamik, die schwer aufgehalten werden kann. Das ist das beste Kaizen.

Regel 5: Korrigiere Fehler sofort

Wenn du vor Ort eine Unregelmäßigkeit siehst, solltest du alles unternehmen, um die Situation sofort zu verbessern. Warte nicht bis zur nächsten Besprechung oder schreibe es nicht in eine Liste. Oft bedeutet das, eine Übergangslösung zu finden solange bis eine nachhaltige Lösung umgesetzt werden kann.

Wenn ein Problem komplexer ist, benötigen wir die Hilfe anderer und müssen die Dinge sauber dokumentieren. Aber wir müssen aufpassen, keine Pläne für Tage oder Wochen aufzustellen, während uns ein Problem Tag um Tag bestraft. Stoppe die Blutung und bringe den Patienten zur Operation.

Regel 6: Gebe kein Geld für Kaizen aus

Oft kosten die besten Lösungen überhaupt nichts. Es ist ein Irrglaube, dass neue Geräte oder neue Technologie alle Probleme lösen werden. Wenn du dir wirklich Zeit für das Problem nimmst, kannst du oft die Dinge verbessern ohne einen Cent dafür auszugeben. Wenn alle kostenlosen Alternativen ausgeschöpft sind, kann es leichter begründet werden, wenn doch Geld ausgeben werden muss. In diesem Falle, suche nach einer preiswerten Lösung und übertreibe die Ausgaben nicht.

Regel 7: Weisheit kommt dann, wenn es Schwierigkeiten gibt

Schwere Aufgaben bringen die Leute dazu, sich wirklich Gedanken zu machen, Führung zu übernehmen, die Initiative zu ergreifen und zusammenzuarbeiten. Deswegen weiche Problemen nicht aus und gebe nicht schnell nach – es gibt immer gute Lösungen, wir können sie finden. Gute Lösungen für schwierige Aufgaben sind leichter zu finden wie für leichte.

Regel 8: Frage fünfmal Warum und suche die Kernursache

Auch wenn es manchen Leuten Freude macht, mit Werkzeugen zu arbeiten, die keiner versteht – die meisten Probleme erfordern keine komplizierten Werkzeuge. Vielmehr sollten wir fünfmal Warum fragen.

Beginne damit beim nächsten Problem, mit dem du zu tun hast. Je besser du die Ursachen für ein Problem verstanden hast, umso leichter ist es dafür wirksame Lösungen zu finden.

Regel 9: Zehn Köpfe sind besser als einer

Einsame Ritter gehören der Vergangenheit an. Egal wie intelligent du bist – wenn du anderen Leuten zuhörst, wirklich zuhörst, beschleunigt das deine Verbesserungsanstrengungen zehnfach. Suche nicht nach dem einen Spezialisten, der dein Problem lösen kann, sondern beginne selbst, zusammen mit deinen Arbeitskollegen nachzudenken und nach Lösungen zu suchen.

Regel 10: Kaizen endet nie

Die Möglichkeiten für Verbesserungen sind unendlich. Kaizen ist eine Einstellung und endet nie. Falls du dich nur an eine von diesen Regeln erinnerst, sollte es diese sein.

So einfach diese Regeln [1] sind, sie wären in unseren Unternehmen dringend geboten. Wenn dieses Denken in einer Organisation verbreitet ist, dann gedeiht Verbesserung. Deswegen ist es die Aufgabe von Führungskräften in schlanken Unternehmen, dieses Denken in der Praxis vorzuleben und zu verbreiten. Es ist die Basis für einen erfolgreichen Verbesserungsprozess und für ein Verständnis seiner Werkzeuge.

[1]
Es gibt noch weitere ähnliche Regeln, vgl. dazu Klassisches Kaizen unter Hilfsmittel.

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7 Kommentare zu “Die zehn Kaizen-Regeln”

  1. Portal für Arbeit, Beruf & Karriere

    Kaizen…

    [...]Kaizen ist sowohl eine japanische Lebensphilosophie, als auch eine bekannte Managementmethode, die mittlerweile in den europäischen Breiten zunehmende Beachtung findet. Der Begriff Kaizen setzt sich aus zwei Begriffen zusammen: Kai=Veränderung, …

  2. Günter Lenz

    Gute prägnante Zusammenfassung der Toyota-Kaizen-Kultur!

  3. MJW

    Eine kurze Anmerkung

    Gute Lösungen für schwierige Aufgaben sind leichter zu finden wie für leichte.

    ist grammatikalisch falsch:

    Es handelt sich hier um einen Unterschied. Richtig ist:
    Gute Lösungen für schwierige Aufgaben sind leichter zu finden als für leichte.

  4. Ralf Volkmer

    … wir haben genau zu diesen 10 Regeln eine Unternehmenssimulation mit dem Titel Fabrik im Seminarraum (FiS) entwickelt. Für weitere Informationen einfach auf http://www.fabrik-im-seminarraum.de gehen.

  5. Dreck

    Was soll die scheisse, man klickt was an und lädt direkt nen pdf document runter was man gar nicht haben will.
    Man könnte auch mal darauf hin weisen das es sich um ein pdf download link handelt.

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